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Dienstag, 19. Februar 2013

Professio fidei und die katholische Wahrheit der sündhaften Empfängnisverhütung

Im Jahr 1989 dekretierte die römische Glaubenskongregation, dass bei der Übernahme eines kirchlichen Amtes fortan eine drastisch veränderte Professio fidei und ein sich daran anschließender Treueid zu leisten ist. Der Beitrag erläutert die drei neuen, sich an das Große Glaubensbekenntnis anschließenden Zusätze. Sodann wird aufgezeigt, wie sich durch päpstliche Verfügungen die Verbindlichkeit des kirchlichen Verbotes der Empfängnisverhütung bis hin zur Unfehlbarkeit steigert. Zwischen 1987 und 1998 werden dann nacheinander Bischöfe, Priester und Gläubige kirchenrechtlich in den Griff genommen und auf Linie gebracht.


In der Jugendstil #28 habe ich die Vorgeschichte der von der römischen Glaubenskongregation neu konzipierten Professio fidei (Glaubensbekenntnis) skizziert, die von kirchlichen Amtsträgern vom 01.03.1989 an abzulegen ist. Von der vorgeschriebenen Formel zitiere ich den aus der Professio fidei von 1967 übernommenen Einleitungssatz, Anfang und Ende des auf das vierte Jahrhundert zurückgehende Nizäno-Konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnisses, das auch Großes Glaubensbekenntnis genannt wird, sowie die drei nahtlos angefügten, einem völlig anderen Texttyp zugehörenden Zusätze:

„Ich, N. N., glaube fest und bekenne alles und jedes, was im Glaubensbekenntnis enthalten ist:
Ich glaube an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt. ..........................................
Ich bekenne die eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Ich erwarte die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt.
Amen.
(1) Fest glaube ich auch alles, was im geschriebenen oder überlieferten Wort Gottes enthalten ist und von der Kirche als von Gott geoffenbart zu glauben vorgelegt wird, sei es durch feierliches Urteil, sei es durch das ordentliche und allgemeine Lehramt.
(2) Mit Festigkeit erkenne ich auch an und halte an allem und jedem fest, was bezüglich der Lehre des Glaubens und der Sitten von der Kirche endgültig vorgelegt wird.
(3) Außerdem hange ich mit religiösem Gehorsam des Willens und des Verstandes den Lehren an, die der Papst oder das Bischofskollegium vorlegen, wenn sie ihr authentisches Lehramt ausüben, auch wenn sie nicht beabsichtigen, diese in einem endgültigen Akt zu verkünden.“

Nachdem sich der von der Glaubenskongregation formulierte Text dem gesunden Menschenverstand nicht ohne weiteres erschließt, bedarf es einiger Erläuterungen.
Die ersten Worte „Fest glaube ich auch alles ...“  sind parallel zum Einleitungssatz des Großen Glaubensbekenntnisses „Ich, N. N., glaube fest...“ und zeigen an, dass das kirchliche Lehramt den in den Zusätzen formulierten Wahrheitskategorien den gleichen hohen Stellenwert zuweist, wie er bei dem Großen Glaubensbekenntnis als Erkennungszeichen der Gemeinschaft der Christgläubigen genuin gegeben ist. Der zweite Satzteil (1) enthält eine weitere Parallelisierung. Hier wird das geschriebene Wort Gottes, also die Heilige Schrift als göttliche Offenbarung,  dem überlieferten Wort Gottes gleichgestellt, also der sich innerweltlich ausbildenden kirchengeschichtlichen Tradition, die vom Lehramt repräsentiert wird. Die Wendung  „von der Kirche“  im ersten Zusatz müsste im Klartext heißen „von den Bischöfen, der Glaubenskongregation und dem Papst“ (vgl. Donum veritatis 18). Die Formulierung "durch feierliches Urteil" im zweiten Teil des ersten Zusatzes (1) macht unmissverständlich deutlich, dass von einem unfehlbaren „ex cathedra“- Urteil gemäß der Definition des I. Vatikanum von 1870 die Rede ist. Dessen Unhinterfragbarkeit wird ausgedehnt und übertragen - gemäß canon 212 § 1 CIC - auf Urteile des Papstes im Rahmen seines ordentlichen und allgemeinen Lehramtes. Der Papst muss nun nicht mehr vor aller Öffentlichkeit in bewusster Ausübung seiner höchsten apostolischen Lehrgewalt eine durch das I. Vatikanum legitimierte "ex cathetra"-Entscheidung treffen, sondern räumt sich das Vorrecht ein, nahezu beiläufig Dogmatisierungen vorzunehmen.

Im zweiten Zusatz (2) wird der Gehorsam, den der Gläubige Gott schuldet, umstandslos auf die Kirche ausgeweitet. Jetzt ist das katholische Lehramt nicht mehr nur Treuhänder der göttlichen Offenbarung, sondern maßt sich an, aus eigener Kraft und Vollkommenheit endgültige - sprich unfehlbare - Urteile zu fällen. Joseph Ratzinger (1998) begründet den geforderten Glaubensgehorsam damit, dass diese Glaubenswahrheiten in einem notwendigen geschichtlichen oder logischen Zusammenhang mit der Offenbarung stehen würden. Ein Beispiel für eine solche postulierte Wahrheit ist die Lehrverkündigung,  gemäß der die Priesterweihe nur Männern vorbehalten ist.

Der dritte Zusatz (3) ist fast identisch mit Kanon 752 des Kirchengesetzes (CIC). Es geht um Lehren, die vom Lehramt als wahr oder zumindest als sicher angesehen und vorgetragen werden. Was diesen Lehren nicht entspricht,  haben die Gläubigen sorgsam zu meiden.
   
Vor dem Hintergrund der dargestellten gestuften Wahrheitskategorien  möchte ich mich nun einem Aspekt des Themas LIEBE aus kirchenrechtlicher Sicht zuwenden, nämlich  der Empfängnisverhütung.

Ehe und eheliche Liebe sind ihrem Wesen nach auf die Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft ausgerichtet. (vgl. Gaudium et spes, 1965, Art.48)
Es „ist jede Handlung verwerflich, die entweder in Voraussicht oder während des Vollzugs des ehelichen Aktes ... darauf abstellt, die Fortpflanzung zu verhindern ...“ (Enzyklika Humanae vitae, 1968, Art.14)
Paul VI. ging es mit dieser seiner Letztentscheidung gegen das Votum der überwiegenden Mehrheit der päpstlichen Kommission für das Studium des Bevölkerungswachstums, der Familie und der Geburtenhäufigkeit vor allem darum, auf der traditionellen Linie des „irrtumslosen“ Lehramts zu bleiben. Zwei solche fundamentale Lehraussagen seien beispielhaft zitiert:

Papst Pius XI., Enzyklika Casti connubii, 1930
„Jeder Gebrauch der Ehe, bei dessen Vollzug der Akt durch die Willkür der Menschen seiner natürlichen Kraft zur Weckung neuen Lebens beraubt wird, verstößt gegen das Gesetz Gottes und der Natur, und die solches tun, beflecken ihr Gewissen mit schwerer Schuld.“

Papst Pius XII., Aufbau und Entfaltung des gesellschaftlichen Lebens, 1951
„Unser Vorgänger Pius XI. seligen Angedenkens verkündete ... das
Grundgesetz des ehelichen Aktes und der ehelichen Beziehungen: dass
nämlich jeder Eingriff der Gatten in den Vollzug des ehelichen Aktes oder in den Ablauf seiner natürlichen Folgen, widersittlich ist, und dass keine „Indikation“, kein Notstand ein innerlich sittenwidriges Tun in ein sittengemäßes und erlaubtes verwandeln kann. Diese Vorschrift hat ihre volle Geltung heute wie gestern, und sie wird sie auch morgen und immer haben, weil sie ... der Ausdruck eines Gesetzes der Natur und Gottes selbst (ist).“

Der letzte Satz paraphrasiert bereits die Endgültigkeit der Lehre, die dann im Jahr 1997 vom Päpstlichen Rat für die Familie explizit proklamiert wird:
„Die Kirche hat stets gelehrt, dass die Empfängnisverhütung, das heißt jeder vorsätzlich unfruchtbar gemachte Akt, eine in sich sündhafte Handlung ist. Diese Lehre ist als definitiv und unabänderlich anzusehen.“  (Vademecum für Beichtväter in einigen Fragen der Ehemoral, 4)

Jetzt kommt zum Tragen, was  Joseph Ratzinger und Papst Johannes Paul II. 1989 - noch über den CIC hinausgehend - als zweiten Zusatz der Professio fidei festgeschrieben haben. Denn der Gläubige hat seit 1989 nicht mehr nur Offenbarungslehren fest zu glauben, sondern zusätzlich Glaubens- und Sittenlehren, die nicht in der Offenbarung enthalten sind und vom Lehramt als endgültig deklariert wurden. Zu einer solchen endgültigen Sittenlehre avancierte im Rahmen des "Leitfadens für Beichtväter"  von 1997 das Verbot der Empfängnisverhütung. Zitatausschnitt: „... ist als definitiv und unabänderlich anzusehen.“ (vergl. Bockenförde 1998, S. 5)

Nachdem das Verbot künstlicher Empfängnisverhütung als apodiktische lehramtliche Wahrheit zur Geltung gebracht worden ist, geht es - in der Absicht umfassender Prävention - in der Folge darum, Klerus und Laien auf diese Wahrheit zu verpflichten.
Bischöfe beeiden seit 1987,
„dass das von den Aposteln her überlieferte Glaubensgut rein und unversehrt bewahrt wird und dass die Wahrheiten, an denen festzuhalten ist und die auf das sittliche Leben anzuwenden sind, so wie sie vom Lehramt der Kirche vorgelegt werden, allen weitergegeben und aufgezeigt werden. Den im Glauben Irrenden aber werde ich mich väterlich zuwenden und mich mit aller Kraft einsetzen, dass sie zur Fülle der katholischen Wahrheit gelangen.“ (Kreusch 2005, S. 316f.)

Seit 1989 haben die Priester und andere Amtsträger nicht nur die Professio fidei, wie sie von mir näher beleuchtet wurde, abzulegen, sondern darüber hinaus im Rahmen eines Treueides zu versprechen:
„Bei der Ausübung meines Amtes ... werde ich das Glaubensgut unversehrt bewahren und treu weitergeben und auslegen; deshalb werde ich alle Lehren meiden, die dem Glaubensgut widersprechen.“ (Ratzinger 1998)

1998 nahm dann Johannes Paul II. kraft seines Apostolischen Schreibens Ad tuendam fidem alle Gläubigen in die Pflicht, indem er dem Kanon 750 des Kirchenrechts einen § 2 hinzufügte:
 „Fest anzuerkennen und zu halten ist auch alles und jedes, was vom Lehramt der Kirche bezüglich des Glaubens und der Sitten endgültig vorgelegt wird, das also, was zur unversehrten Bewahrung und zur getreuen Darlegung des Glaubensgutes erforderlich ist; daher widersetzt sich der Lehre der katholischen Kirche, wer diese als endgültig zu haltenden Sätze ablehnt.“
Diese Rechtspflicht für alle Gläubigen ist strafbewehrt. Wer also in Sachen Empfängnisverhütung andere Auffassungen vertritt als das kirchliche Lehramt, „kann seit Inkrafttreten des Schreibens am 1. Oktober 1998 von seinem Diözesanbischof zum Widerruf ermahnt, gegebenenfalls bestraft, aber auch direkt von Rom zur Verantwortung gezogen werden.“
(Böckenförde 1998, S. 7)

Wenn der Papst und die römische Kurie geglaubt haben, durch ein derart geschlossenes System und durch strenge hierarchische Kontrolle ein für alle mal angeblich endgültige Wahrheiten in Stein gemeißelt zu haben, so werden sie über die an vielen Orten aus dem Boden schießenden Priesterinitiativen eines besseren belehrt. Rom hat überzogen, hat katholische Weite in amtskirchliche Enge überführt, und wird miterleben müssen, dass ein starres, entwicklungsunfähiges Dogmengebäude im weiteren evolutiven Verlauf nicht überlebensfähig sein wird. Der neue Papst steht vor großen Aufgaben.

Ursprungsfassung für die Ausgabe 29 der Jugendstil, 19.02.2013

Dienstag, 26. Juni 2012

Aufbruch in der Kirche?

Der Beitrag erinnert daran, dass der von Erzbischof Robert Zollitsch im September 2010 proklamierte Aufbruch in der Kirche einen universalen Vorläufer hat: Das vor 50 Jahren eröffnete II. Vatikanische Konzil. Fasst man das Projekt Aufbruch im Jahr 2012 näher ins Auge, zeigt sich, dass die Leitvorstellungen einer Neugestaltung je nach Hierarchieebene sehr divergieren.


Von Papst Johannes XXIII., der am 28. Oktober 1958 zum Papst gewählt wurde, wird folgende Anekdote erzählt: Ein besorgter Kurienkardinal fragte ihn „Wozu denn ein Konzil, Eure Heiligkeit?" Daraufhin ging der Papst zum Fenster, öffnete es und sagte: „Um frischen Wind hereinzulassen!"
Im Januar 1959 kündigte Johannes das II. Vatikanische Konzil an, das dann am 11. Oktober 1962 im zu einer Konzilsaula  umgebauten Petersdom begann. Seine Eröffnungsansprache hielt der Papst vor 2540 Bischöfen und anderen Konzilsvätern in lateinischer Sprache. Leitbegriff für die Arbeit des Konzils war ein sogenanntes „aggiornamento“, eine Verheutigung. Die noch sehr vom 19. Jahrhundert her bestimmte Kirche sollte auf die Höhe der Zeit gebracht werden.

Die vatikanische Kurie war alles andere als begeistert und versuchte im Vorfeld durch Einflussnahme auf die Tagesordnung und die personelle Besetzung der Konzilskommisionen, das Konzil in den Griff zu nehmen. Bereits am dritten Tag der ersten Sitzungsperiode kam es zum Showdown, bei dem sich die Weltbischöfe mit dem Segen des Papstes gegen die vatikanische Regierungsbehörde durchsetzten. Von nun an wehte ein lebendiger, frischer Geist in den Konzilsversammlungen und als das II. Vatikanum 1965 seinen Abschluss fand, konnte es bahnbrechende Ergebnisse vorweisen und wurde zum Symbol für die Erneuerung der katholischen Kirche.

Ich springe ins Jahr 2010. Im Januar dieses Jahres machte der Jesuit Klaus Mertes, Schulleiter des Canisius-Kollegs in Berlin, Fälle von sexuellem Missbrauch, die in den 70er und 80er Jahren passiert waren, öffentlich und brachte damit eine Lawine ins Rollen.
Als dann im September Erzbischof Robert Zollitsch bei der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz sein Impulsreferat hielt,  diagnostizierte er eine Krise der katholischen Kirche in Deutschland, die zu einer hörenden Kirche werden müsse und eines neuen Aufbruchs bedürfe. Im März 2011 wandten sich die deutschen Bischöfe in einem Hirtenwort an die Gemeinden und luden in einer  „Situation, die durch Sorgen, Anfragen und Spannungen in unseren Bistümern gekennzeichnet ist“, zu einem vierjährigen Gesprächsprozess - beginnend 2011 - ein, der dann 2015 in das Gedenkjahr des Konzilsjubiläums einmünden soll. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken ist in diesen Besinnungs- und Erneuerungsprozess miteinbezogen und stellte den Katholikentag im Mai 2012 unter das Motto: „Einen neuen Aufbruch wagen.“

Universalkirchlicher Aufbruch vor 50 Jahren und Aufbruch heute. Wohin soll die Reise gehen? Zunächst ist festzustellen, dass die innerkirchlichen Zielvorstellungen weit auseinander klaffen. Was Papst Benedikt will, lässt sich - soweit ich sehe - in drei Punkten zusammenfassen:
1. Er favorisiert lebendige katholische Erneuerungsbewegungen, die der Hierarchie in radikalem Gehorsam ergeben sind - z.B. Fokolare, das Neokatechumenat, Gemeinschaft Sant’Egidio ... (vgl. Gründonnerstagspredigt 2012) „Der Schaden der Kirche kommt nicht von ihren Gegnern, sondern von den lauen Christen“ (Gebetsvigil in Freiburg 2011)
2. Entweltlichung der Kirche: „Die von ihrer materiellen und politischen Last befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden ...“ (Benedikt, Freiburger Konzerthausrede 2011)
3. Neuevangelisation in Europa: Benedikt richtete 2010 den Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung ein, der der Kirche „vor allem in jenen Ländern alter christlicher Tradition eine besondere Hilfe bieten (soll), die gegenüber dem Wort Gottes scheinbar gleichgültig, wenn nicht gar feindselig geworden sind.“ (Ansprache am 15.10.2011)

Die deutschen Bischöfe stehen vor der Herausforderung, dass die Katholiken in Deutschland weniger, die Kirchen leerer werden und vor allem, dass die Zahl der Pfarrer rapide zurückgeht. Nach polarisierten Konflikten mit Rom  - 1993 zur Frage der Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion  und 1999 der von Rom verordnete Ausstieg aus der Schwangerenkonfliktberatung - geht es gegenwärtig um die vom Papst verlangte Abänderung der Einsetzungsworte des Hochgebetes. Innerhalb der Messbuchformulierung „Mein Blut, das für Euch und für alle vergossen wird“ soll das „für alle“ durch „für viele“ ersetzt werden.
Erzbischof Zollitsch erklärte am 24.09.2010 für die Deutsche Bischofskonferenz, „dass das bisherige Deutsche Messbuch (2. Auflage) weithin den Anforderungen einer textgetreuen Übersetzung entspricht ... Viele Texte sind Priestern und Gläubigen durch den praktischen Vollzug vertraut. Dieser hohe Wert darf durch eine grundständig neue Übersetzung nicht gefährdet werden.“
Die apodiktische Antwort des Papstes: „ (Es) ist vom Heiligen Stuhl entschieden worden, dass bei der neuen Übersetzung des Missale das Wort „pro multis“ (für viele, Verf.) als solches übersetzt und nicht zugleich schon ausgelegt werden müsse.“ (Schreiben vom 14.04.2012)
Hinzu kommt, dass die Deutsche Bischofskonferenz in sich zerstritten ist. Das lässt sich bereits daran ablesen, dass die Hälfte der Bischöfe dem Katholikentag fernblieben und in einem Drittel der Diözesen der von Erzbischof Zollitsch inaugurierte Gesprächsprozess nicht stattfindet.

An der Kirchenbasis rumort es vor allem dort, wo aus althergebrachten Pfarrgemeinden „XXL- Pfarren“ werden sollen, mit weiten Fahrwegen und überörtlichen Gremienstrukturen. Die ökumenische Bewegung ist seit der im Jahr 2000 vom Präfekten der Glaubenskongregation, Joseph Ratzinger, herausgegebenen Erklärung „Dominus Jesus“ auf einem Tiefpunkt. Dort wird den reformatorischen Kirchen der Kirchenstatus aberkannt und sie werden nurmehr als „kirchliche Gemeinschaften“ eingestuft. Sodann gibt es eine Reihe von Reformanliegen, die manchen katholischen Hierarchen bereits sei Jahrzehnten nerven: Katholische Sexualmoral, Diakonat der Frau, Zölibat, Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, mehr Demokratie in der Kirche.

Bei dieser disparaten Gemengelage stellt sich die Frage, welche Aufbrüche, Umbrüche und Einbrüche die Zukunft bringen wird. Dazu mehr in der nächsten Jugendstil.


Stefan Schopf für die Ausgabe 26 der Jugendstil, 26.06.2012